
Seit der Gründung der Brennerautobahn sind bereits 50 Jahre vergangen. Heute jährt sich der Tag, an dem beim Landesgericht von Trient die am 20. Februar vor 50 Jahren gegründete Gesellschaft eingetragen wurde. Ein bedeutendes Ziel für die Gesellschaft und alle Gebiete, die lautstark nach der A22 verlangt haben und für die sie nach einer schweren Nachkriegszeit stark gekämpft haben, in voller Überzeugung der Lebenskraft des Brenner-Korridors und der Arbeitsfähigkeit seiner Bewohner.
Eine Wette die eigentlich gewonnen wurde. Seit jener Unterzeichnung von 1959 wurde ein langer Weg beschritten bis die Brennerautobahn eine der modernsten und effizientesten Autobahnen Europas wurde. Durch ihre strategische Lage als Kreuzungspunkt verschiedener Völker und Kulturen ist die A22 ein Treffpunkt unterschiedlicher Interessen, durchschnitten von zwei europäischen Korridoren und in der Lage, sich an die Gesellschafts- und Marktanforderungen anzupassen, den Ansprüchen der Autobahnbenutzer und der Gebiete zu genügen, indem sie die Erwartungen der ersten mit der Rücksicht auf die zweiten verbindet. Die Brennerautobahn baut zeitgemäß die Zukunft auf. Und nicht nur ihre eigene.
Diese Autobahn verläuft über einen Streckenabschnitt, der seit der Urgeschichte bis heute Kontinentaleuropa mit den Mittelmeerländern verbunden hat. Ein großer Teil der Geschichte Europas ist durch das Etschtal, das Eisacktal, das Silltal und das Inntal abgelaufen.
“Die Erklärung über den Bau der großen internationalen Verkehrsstraßen“ von 1950 in Genf beinhaltete eine erste Idee einer grenzüberschreitenden Autobahn über den Brennerpass. Entscheidende Impulse kamen später aus der neu entstandenen Region Trentino-Südtirol (das erste Statut ist von 1948), aus der wachsenden Nachfrage durch den Tourismus und aus einer langsamen und allgemeinen Besserung der europäischen und italienischen Wirtschaftsbedingungen. Die Region und die Autonomen Provinzen, mit starker Unterstützung durch die Gemeinden und die Handelskammern von Trient und Bozen und die örtlichen Sparkassen, erkannten bald die wichtige Rolle der neu entstehenden Autobahn für den Aufschwung der Wirtschaft, den Handelsaustausch und den Tourismus. Die gleichen Institutionen von Verona, Mantua, Reggio Emilia und Modena teilten sofort die Idee. Die A22 wuchs und wurde geprägt durch die Anerkennung der Werte und der Ideen aller Gemeinden entlang der Autobahn und konnte sich wirksam gegen die Möglichkeit einer Unterwerfung der Autobahn unter die Kontrolle der IRI (Organisation für den Wiederaufbau der Industrie), die sie nicht einmal finanzieren wollte, wehren.
Viele halten heute die Brennerautobahn für einen Goldesel, eine Geldmaschine, aber es war nicht immer so. Die heutige Festigkeit hat ihre Wurzeln in der Weitsicht der Gründungsväter und in dem Mut der Aktionäre, die ständig die Gesellschaft unterstützten, sogar in den schwierigen Zeiten der siebziger Jahre, als die Gesellschaft wegen aufgenommener Marktdarlehen und der zweistelligen Inflation in Italien der Gefahr ausgesetzt war, alle Gesellschaftsbücher vor Gericht bringen zu müssen.
1959 nach einer weder schnellen noch hindernisfreien Wegstrecke, wie bereits erwähnt, wurde am 20. Februar die Gesellschaft gegründet. Durch eine vom Notar aus Trient Dr. Marchesini beglaubigte Urkunde, wurden der erste Präsident Donato Turrini und das Gesellschaftskapital von 120 Millionen Lire bestätigt. Die Autobahnstrecke wurde von den Ingenieuren Bruno und Lino Gentilini und dem Senator Guido de Unterrichter ausgearbeitet und bestand aus zwei je 7,50 Meter breiten Fahrbahnen. Das Projekt des Autobahnabschnitts zwischen dem Brenner und Verona wurde am 25. Januar 1962 vom ANAS (staatliches Straßenbauunternehmen) genehmigt. 1963 wurde ein zweites Abkommen für den Abschnitt zwischen Verona und Modena unterzeichnet.
Das erste Einheits-Übereinkommen Brenner-Modena ist vom 21. November 1973 datiert, also zehn Jahre später, und es ergab die längste „private“ mautpflichtige Autobahn (wie sie damals bezeichnet wurde, da sie keine IRI Autobahn war) in Italien.
Parallel dazu setzte sich die nicht weniger wichtige Verwaltungs- und Finanzgeschichte fort. Vor den Arbeiten wurden die Durchführungsbestimmungen der Grundenteignung, die Regelung des Umgangs mit Behörden und Privatpersonen, die Beurkundung von Vereinbarungen für die Errichtung der Straßen- und Bahnüberführungen, die Verlegung von Fernleitungen (insgesamt 307 Kilometer), von Telefonleitungen (74 Kilometer), von Bewässerungskanälen und von zahlreichen Straßenabschnitten (252 Kilometer Umleitungen und Neuerrichtungen) festgelegt. Erworben wurden eine Grundfläche von 2.150 Hektar und zahlreiche Gebäude mit Kosten in Höhe von ca. 23 Milliarden Lire.
Im Verwaltungsrat vom 21. Dezember 1963 wurde der Beginn der ersten Bauarbeiten der Brücken über die Etsch in Vadena una Zambana und über den Fluss Avisio bei der Ortschaft „Vodi“ von Lavis (Provinz Trient) beschlossen. Die erste Strecke, die in Betrieb ging, war der 50 km lange Abschnitt zwischen Bozen und Trient: am 21. Dezember 1968 um 15 Uhr unter heftigem Schneefall wurde der Abschnitt für den Verkehr geöffnet. Die Nützlichkeit des Bauwerks wurde sofort deutlich: zwischen dem 21. und 31. Dezember 1968 fuhren 45.724 Fahrzeuge (43.856 PKW und 1.868 LKW) auf der Autobahn. Alle andere Abschnitte wurden zwischen 1967 und 1974 dem Verkehr übergeben – bezeichnend ist der 5. April 1971 als der Autobahnverkehr zwischen Österreich und Italien aufgenommen wurde. Vor 35 Jahren (am 11. April 1974) wurde die gesamte Autobahnstrecke vom Brenner bis Modena im Betrieb gesetzt. Die Gesamtkosten der Autobahn betrugen 243.721.821.000 Lire, d.h. 780 Millionen pro Kilometer (die sich im Abschnitt zwischen Klausen und Bozen auf 2.300 Millionen pro Kilometer erhöhen). Auf heutige Kosten umgelegt entspricht dies ungefähr 6 Milliarden Euro, d.h. 12.000 Milliarden Lire, die uns deutlicher die Größe der von den Förderern angenommenen Herausforderung verstehen lassen. Der erste Betriebsgewinn wurde 1984, 15 Jahre vor der Finanzplanung erreicht, dank des eisernen Sparwillens, der in der Kultur der Bevölkerung der Autobahngebiete verwurzelt ist und einen fruchtbaren Nährboden in der Geschäftsführung der Autobahngesellschaft gefunden hat. Es genügt schon die Erinnerung daran, dass unsere Bauarbeiter während des Autobahnbaus manchmal die von den Arbeitern der Enel oder anderer „reicher“ Betriebe nicht mehr benützten Schutzhandschuhe und Sicherheitsschuhe trugen. Oder: um einen Hammer oder Besen zu kaufen, musste man die Genehmigung des Generaldirektors haben.
Der echte Mehrwert der Brennerautobahn ist aber nicht technisch-, finanz- oder verwaltungsmäßig begründet, sondern es sind die Leute, die dafür gearbeitet haben und arbeiten und der Zugehörigkeitssinn, der sie verbindet. Die Brennerautobahn ist für uns alle eine echte Institution: für die Verwalter, die Betriebsleiter, die Angestellten, die Arbeiter ist die Brennerautobahn viel mehr als eine reine Asphalt- und Zementspur. Sie ist eine Einheit, geprägt durch Engagement, Elan, Großzügigkeit und große Professionalität, aber auch moderne Technik, Erneuerungsstudien, Lust mitzuarbeiten, Kontakte zu knüpfen, dasselbe Ziel zu verfolgen……eine Gesellschaft zu sein, diese Gesellschaft: die Brennerautobahn.
Auch deswegen stellt diese Feierlichkeit vor allem ein Familienfest dar und im Tunnel haben sich heute Generationen von Angestellten der A22, aber auch die Vertreter aller Institutionen, die mit uns arbeiten und diese große Familie bilden, eingefunden: ANAS, Straßenpolizei, Gesundheitsdienste, Zivilschutzdienst und Feuerwehr, die Kollegen und Freunde der anderen Autobahnen, bei denen ich mich für Ihr Anwesenheit herzlich bedanke.
Eine erfolgreiche Einstellung, die sich in der Herausforderung dieses neuen Jahrtausends widerspiegelt: der stufenweise Übergang des Güterverkehrs von der Straße zur Bahn, das heißt das Riesenbauwerk der Brennerbahn, zu dem die Brennerautobahn seit zwölf Jahren mit der Rückstellung des größten Teils ihres Gewinns beiträgt.
Als Bestätigung der Weitsicht der Leute, die sich für die Errichtung der A22 eingesetzt haben, setzt sich die Brennerautobahn, ohne ihr Kerngeschäft zu vergessen, für neue Industrieprojekte, für alternative Energien und erneuerbare Energiequellen ein, auf der Suche nach einer wirksamen und zeitgemäßen Intermodalität. Als Schaufenster ihrer eigenen Gebiete und als Wirtschaftsantrieb für die durchquerten Gebiete verbindet die Brennerautobahn die Interessen der Gesellschafter mit dem Umweltschutz und jenen der umliegenden Gemeinden. Jede geplante Infrastruktur widerspiegelt eine bestimmte Entscheidung: der Autobahn und den Benützern der angrenzenden Verbindungsstraßen Nutzen zu bringen aber auch den umliegenden Gebieten durch Bauten zur Verringerung der Umweltbelastung, die die Autobahn unvermeidbar mit sich bringt, zu dienen.
Versorgungsqualität, Umweltschutz, Forschung und Neuentwicklung, Fahrsicherheit, Sicherheit für die Leute die auf der Autobahn arbeiten, sowohl die eigenen Angestellten als auch die Arbeiter der Firmen, denen die Arbeiten in Auftrag gegeben werden, das kennzeichnet unsere Arbeit und bestätigt sich in den ausgezeichneten Ergebnissen, die im Bereich der Verringerung der Unfallrate im Straßenverkehr und der Arbeitsunfälle erreicht wurden.
Fünfzig Jahre sind bereits vergangen, aber durch die ständige Anpassung an die Entwicklung und die Forderungen des Markts und der Gesellschaft liegen noch viele weitere vor uns. Wir müssen das Ziel von 2014 erreichen und daher bemüht sich die Brennerautobahn darum, allen bei der Brennerautobahn arbeitenden Leuten eine sichere Zukunft zu gewährleisten.
Das Jahr 2014 soll kein Damoklesschwert darstellen und keine Ehrfurcht einflößen. Es gilt viele wichtigen Hürden zu meistern, das beste für uns wäre eine direkte Konzessionsverlängerung (wichtige Kooperation zwischen Europa, dem italienischen Staat und den regionalen Behörden als Willensausdruck des Traums, gemeinsam etwas Schwieriges zu verwirklichen). Falls man auf einen europäischen Wettbewerb zurückgreifen müsste, wird man sofort, ohne die Frist abzuwarten, ohne Aufschub und ohne langes Überlegen ausschreiben. Die Brennerautobahn hat keine Angst und ist auf jede mögliche Lösung und sogar auf eine andere Zukunft vorbereitet. Falls die Konzession in andere Hände gelegt wird, was die schlimmste und unwahrscheinlichste Möglichkeit wäre, arbeitet die A22 bereits an der Entwicklung neuer Aktivitäten.
Ich beende meine Rede im Gedenken an alle Leute, die bei Errichtung der Autobahn und bei der Arbeit auf der Brennerautobahn ums Leben gekommen sind, sowie an alle, die wegen eines Unfalls auf der Straße gestorben sind. Um deren Gedenken wach zu halten, hat die A22 zwei kleine Kirchen übernommen (St. Martin in Kampill bei Bozen und St. Leonhard aus Limoges bei Nogarole Rocca), wo zwei Mal im Jahr ein Gottesdienst für die Verstorbenen abgehalten wird. Wir begrüßen alle Aufrufe, die wir in diesen Tagen erhalten haben, und wir glauben weitere sichtbare Zeichen zum Gedenken an unsere Unfallopfer setzen zu können, auch wenn das wichtigste Zeichen der Brennerautobahn ihr Engagement für die Forschung und die Anwendung der modernen Techniken und Methoden für die Sicherheit sowohl in den Baustellen als auch in der Verkehrsleitung ist und sein wird. Diese Verpflichtung ist nicht durch wirtschaftliche Gründe bedingt und wird es auch nie sein.
Ein Dank gilt zuletzt auch allen Personen, Institutionen, Verwaltern sowie ehemaligen und jetzigen Angestellten, die den menschlichen Bestandteil, das Herz, die „warme Seite“ dieser 50 Jahre darstellen und dargestellt haben.
Dieses Zusammensein ist der erste Schritt eines strukturierten aber dichten Terminkalenders der folgenden zwölf Monate. Der Glanzpunkt wird im Spätherbst erreicht mit einer internationalen Tagung mit hohem politisch- ökonomisch- und institutionellem Profil, für die das genaue Datum und der Austragungsort noch nicht festgelegt wurden. Der rote Faden der Tagung sind der intermodale Brennerkorridor, die Verlängerung der Konzession und die zukünftigen Strategien der A22. Es wird auch ein Film über die Leistungsfähigkeiten der Verkehrsader gedreht und ein Fotobuch veröffentlicht, in dem sich Bilder und Text ergänzen und eine ausgeglichene Synthese ergeben.
Eine Vielfalt von Ansätzen und Betrachtungsweisen, deren Objektivität von einem Kulturfachmann für jedes Gebiet, das zur Gründung der Gesellschaft beigetragen hat, gewährleistet wird.
Ich beende meine Rede mit einem Gruß und einem Dank an alle anwesenden Behörden und bedanke mich besonders bei den berühmten Vertretern unserer Gebiete, die bald eine Konferenz am runden Tisch veranstalten werden. (Gino Valentini)